Trennungsangst bei Hunden – so haben wir es geschafft

Wir sind seit 2012 schon mit Fellnasen aus dem Tierschutz gesegnet. Als im Winter 2015 dann unsere Mila bei uns einzog wussten wir nicht, was auf uns zu kam. Das weiß man selten bei Hunden aus dem Tierschutz. Mila ist vom Charakter her sehr scheu und zurückhaltend. Sie beobachtet alle Situationen zunächst aus weiter Entfernung und ist sehr vorsichtig und sparsam mit Annäherungsversuchen. Zugleich sucht sie aber auch die Nähe von Menschen, die sie durch für sie neue oder schwierige Situationen begleiten. Sie ist sehr auf Menschen fixiert, mehr noch als auf andere Hunde. Somit braucht Mila sehr lange und viele Anläufe, bis sie sich an neue Situationen gewöhnt hat. Sie ist sehr schreckhaft bei lauten Geräuschen und benötigt unbedingt eine ruhige und entspannte Atmosphäre um abschalten zu können. Mila ist eine der ersten, die merkt, wenn Unruhe aufzieht. Unbekannte Abläufe bedeuten erst einmal Stress für sie.

So kamen wir irgendwann an den Punkt, an dem sie das alleine bleiben üben musste. Vorweg: Unsere Hunde müssen nie länger als 4 Stunden alleine bleiben. Wir haben das Glück, dass sie in einer Hundepension viele andere Artgenossen um sich herum haben können. Trotzdem kommt immer mal die Situation, dass man seinen Hund / seine Hunde alleine lassen muss. Für Mila war das der pure Stress. Plötzlich war sie alleine. Zwar mit unserer anderen Hündin, aber das half ihr in der Situation nicht. Sie hat in ihrem Stress angefangen an Türen zu kratzen, zu jaulen und sehr viel zu hecheln. Sie ist in der Wohnung umher gelaufen und hat sich alles was sie an Papier und Folie gefunden hat, zu fressen. (Zum Glück nur das, das kann man ja noch wegräumen.) Mila kann Türklinken bedienen – nach innen und nach außen. Wir haben dann alle Türen abgeschlossen, durch die sie nicht wandern sollte. Sie war nur ruhig, wenn sie Menschen um sich hatte.

Wir haben viel ausprobiert. Bis uns dieses Buch empfohlen wurde: Waldi allein zuhaus – Wenn Hunde Trennungsangst haben

Ich habe das Buch inhaliert und in den kommenden, anstrengenden und nervenaufreibenden 6 Monaten mehrfach gelesen. Ich habe es immer dabei gehabt. Das Buch ist wunderbar geschrieben und man erkennt sich als Hundehalter sofort wieder und wird unglaublich gut motiviert auch durchzuhalten. Es ist für solche Hunde immens wichtig, durchzuhalten. In dem Buch ist ein Trainingsplan enthalten, an den wir uns gehalten haben. Teilweise haben wir Lektionen wiederholen müssen, weil wir einige Rückschläge verbuchen mussten. Man muss sehr sehr langsam vorgehen und unbedingt auf den Hund achten. Wie verhält er sich? Ist er ruhig in der aktuellen Situation? Man stellt sich immer wieder die Frage: Wie weit darf ich jetzt gehen? Manchmal waren wir zu schnell, wollten zuviel auf einmal. Dann waren wir wieder am Anfang. Am Anfang heißt: Den Schlüssel nehmen und die Jacke anziehen. Das hat bei ihr schon Stress pur ausgelöst.

Nach einem Jahr hatten wir dann den Dreh raus. Sie hatte es geschafft und war völlig entspannt. In dem Buch gibt es auch Hinweise darauf, wie man sich verhalten sollte, wenn ein Umzug ansteht. Auch diese Hinweise waren wichtig, denn wir zogen dann 1,5 Jahre später um in unser neues Haus. Und wieder war alles auf Anfang. Allerdings haben wir schon damit gerechnet und direkt wieder mit dem Training angefangen. Es hat zwar wieder 6 Monate gedauert, war aber mit deutlich (!) weniger Stress verbunden.

Nun ist sie wieder völlig entspannt, wenn wir das Haus verlassen. Sie kugelt sich ein und schließt die Augen. Ich habe immernoch ein Ritual, wenn ich gehe. Das ist für unsere beiden (und vor allem für Mila) sehr wichtig.

Wir wünschen allen, die diese Herausforderung vor sich haben viel Durchhaltevermögen und Kraft!

Eine Zwischenbilanz nach 3 Jahren des Trainings mit dem Buch

Nun ist unsere ängstliche Fellnase schon drei Jahre bei uns und immer noch üben wir das Alleinebleiben mit dem Buch. Wenn Mila eine längere Zeit (bei ihr sind es 4-6 Wochen) nicht alleine sein ‚durfte‘, fällt sie wieder in ihre alten Muster zurück und kommt schneller in Angst und auch in Panik-Situationen. Man kann sie schneller daraus ‚befreien‘, aber sie ist eben nicht ganz ‚geheilt‘. Aus dem Grund möchte ich gerne noch einmal beschreiben, wie wir nun wieder zurück zu unserem alten Trainingsstand kommen:

Wir nutzen dazu den Kong und für unsere andere Hündin (die kein Problem hat, aber die Übung nicht ‚unterbrechen‘ soll, den folgenden Leckerliball mit Leberwurst.

Nun gehen wir wie folgt vor:

Übung im Idealfall täglich ausführen. Wir kommen aber häufig nur 2-3 mal die Woche dazu. Hinweis: wir trainieren aber auch insgesamt schon länger.
  • Für eine entspannte Situation sorgen. Also einfach aus dem Alltag heraus. Der Hund sollte nicht schon in Angst oder angespannt in die Übung gehen.  Den Kong oder Leckerliball mit Leberwurst füllen, sodass der Hund alles genau sehen kann.
  • Kong oder Ball auslegen und DANN ERST den Reiz auslösen, der für den Hund bedeutet: Frauchen oder Herrchen lässt mich alleine. Bei uns ist das das Klappern mit dem Schlüssel und das Anziehen der Schuhe.
  • Danach den Reiz sofort wieder beenden und den Kong wegnehmen und weglegen (z.B.: direkt ausspülen).

Das war es auch schon. Damit überlagern wir kontinuierlich das böse Gefühl und Geräusch mit einem Leberwurst-Kong. Das kann man wunderbar in den Alltag integrieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine gute Vorbereitung und Grundstimmung beim Gehen schon die halbe Miete ist.

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Use me: Wie ich einen Husky adoptierte (Marina Barth)

Ich habe selten ein Buch so verschlungen wie dieses. Mit seinen 87 Seiten ist es zwar recht dünn, aber es bleibt dennoch nachhaltig im Gedächtnis. Eine witzige kleine Geschichte von der Adoption eines jungen Husky-Rüden aus dem Tierschutz. Es verleitet zum Schmunzeln und regt zum Nachdenken an. Kurzum: ich empfehle es allen Neu-Hundebesitzern und denen, die es werden wollen. Aber auch für langjährige Husky-Fans ist das Buch eine Bereicherung.

Der Erlös des Buches geht an die Nothilfe für Polarhunde!

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